Schneekatastrophe

Nach tagelangen Schneefällen und einer bereits seit mehreren Tagen andauernden Unwetterlage mit blockierten Straßen durch umgestürzte Bäume spitzte sich die Lage am Donnerstagnachmittag zu.

Am Donnerstag den 10.01.2019 erreichte uns der erste Einsatz für diesen Tag um 12:53 Uhr. Auf der B304 Höhe Thalmann war ein Traktor mit einem PKW zusammengestoßen. Wir mussten mit unserem Mehrzweckfahrzeug den Verkehr regeln. Der Einsatz war mit einer kleinen Mannschaft schnell abgearbeitet. Um 14:07 Uhr wurden wir per Funk von der Leitstelle zum nächsten Einsatz, einem umgestürzten Baum auf der B304, geschickt. Kommandant Stefan Burghartswieser verständigte per Telefon weitere Kräfte, um den Baum zu beseitigen.

Aufgrund des massiv steigenden Einsatzaufkommens im Landkreis Traunstein durch umgestürzte Bäume und Dächer, die von der Schneelast befreit werden mussten und den Wettervorhersagen mit erheblichen Neuschneemengen wurde von Landrat Siegfried Walch gegen 15:30 Uhr der Katastrophenfall festgestellt. Die Kommandanten trafen sich zu einer kurzen Lagebesprechung im Feuerwehrhaus. Zu dem Zeitpunkt gab es auch schon einen Telefonanruf beim Kommandanten in der ein Landwirt Sorge um das Dach seines Stalles hatte.

Um 18:00 wurden wir von der „Einsatzleitung Feuerwehr“, die bei einem K-Fall zuständige Koordinations-Einheit, zum ersten Einsatz „Dach von Schneelast befreien“ nach Hub alarmiert. Bei einem Ziegenstall drohten Dachfenster einzubrechen. Mit vereinten Kräften konnten wir das Stallgebäude notdürftig entlasten, so dass keine weitere Gefahr drohte. Gegen 21:00 Uhr konnten wir den Einsatz beenden und zum Gerätehaus zurückkehren.

Freitag, 11.01.2019

Da es im Gemeindegebiet Surberg insgesamt noch ruhig war, wurden wir am nächsten Morgen um 7:00 Uhr von der „Einsatzleitung Feuerwehr“ mit unserem TLF zur Unterstützung nach Siegsdorf angefordert. Dort gab es bereits eine lange Liste mit gefährdeten Dächern. Vom Treffpunkt, der Autobahnmeisterei Siegsdorf, wurden wir vom Abschnittsleiter auf die Einsatzstellen verteilt. Wir bekamen zusammen mit der Feuerwehr Petting den Auftrag das Dach des Kindergartens sowie das Feuerwehrhaus in Hammer zu räumen. Ausgerüstet mit Schaufeln und Schneehexen bestiegen wir das Dach und stellten schnell fest, dass Dachabschaufeln eine kräftezehrende Arbeit ist. Die Technik beim Schaufeln wurde während der Arbeit immer ausgefeilter. Eine große Erleichterung waren Abdeckfolien, die im Feuerwehrhaus Hammer vorrätig waren. So konnten wir Rutschbahnen bauen, um den Schnee leichter vom Dach zu bekommen. Am frühen Nachmittag, als die Einsatzstellen in Hammer abgearbeitet waren, wurde uns die nächste Einsatzstelle in Ruhpolding zugeteilt. Dort mussten wir beim Abschaufeln des Kurhauses Ruhpolding helfen.

Im Surberger Gemeindegebiet gab es während des Tages auch mehrere Kleineinsätze, die von der daheimgebliebenen Mannschaft abgearbeitet wurden.

Da sich die Lage durch den intensiven Schneefall auch in Surberg langsam verschärfte – beim Kommandanten häuften sich die Anrufe über Dächer die abgeräumt werden mussten - wurde am Abend noch eine Lagebesprechung mit den Gruppenführern, dem Bauhofleiter und dem Bürgermeister einberufen. Da sich sehr schnell abzeichnete, dass wir allein als Feuerwehr Surberg dem Einsatzaufkommen im Gemeindegebiet nicht mehr Herr werden können, wurde uns vom Bereitstellungsraum Traunstein für den nächsten Morgen Unterstützung aus dem Hilfskontingent des Landkreises Freising zugesagt. Auch unsere eigenen Kräfte wurden per SMS mobilisiert, am nächsten Tag bei der Bewältigung der Schneemassen mitzuhelfen.

 

Samstag, 12.01.2019

Um 7:00 Uhr morgens trafen sich die Führungskräfte zur erneuten Lagebesprechung. Über Nacht hat es wieder viel geschneit, die Last auf den Dächern ist also nochmal erheblich mehr geworden. Um 7:30 Uhr, als die Einsatzzentrale besetzt war, stand das Telefon nicht mehr still. Im Minutentakt riefen Surberger Bürger bei uns an, die besorgt um ihr Hab und Gut waren. Jeder einzelne Anruf wurde über ein kurzerhand angefertigtes Formular erfasst. So sammelte sich schnell eine stattliche Summe an Gebäuden, die laut Anweisung des Katastrophenführungsstabes erst noch vom Statiker geprüft und priorisiert werden mussten.

Der für uns zuständige Statiker war für ein großes Einsatzgebiet um die Kreisstadt Traunstein zuständig und so kam es, dass er nach vier begutachteten Gebäuden aufgrund dringlicher Begutachtungen wieder abgezogen wurde. Zurück blieb ein Stapel unbewerteter Gebäude. Von den vier Bewertungen wurden zwei landwirtschaftliche Anwesen mit Prio 1 bewertet. Es war sofortiges Handeln notwendig.

Glücklicherweise konnten wir auf Fachpersonal in den eigenen Reihen zurückgreifen. Zweiter Bürgermeister und aktiver Feuerwehrmann Michael Wimmer verfügte über das notwendige Wissen, um die Dringlichkeit an den Gebäuden einzustufen. Oftmals halfen auch schon beruhigende Worte an die Hausbesitzer, um einen Auftrag als erledigt zu kennzeichnen.

Gegen 9:30 Uhr traf dann die angekündigte Unterstützung aus Freising ein. Es war ein überwältigender Anblick, als 12 Feuerwehrfahrzeuge mit 91 Mann durch den Wald am Neuweg auftauchten und um das Feuerwehrhaus parkten. Eins ist sicher: So etwas gab es in der Geschichte der Feuerwehr Surberg noch nie!

Um keine Zeit zu verlieren wurde mit den Zugführern des Hilfskontingentes gleich eine Lagebesprechung durchgeführt. Die Kräfte wurden unter Berücksichtigung der Ausrüstung auf die einzelnen Einsatzstellen verteilt. An jede Einsatzstelle wurde zusätzlich ein ortskundiger Surberger Gruppenführer entsandt. So konnten am ersten Tag sieben Dächer geräumt werden.

In der Einsatzzentrale gab es neben der Koordinierung der Einsatzstellen derweil eine Menge an organisatorischen Maßnahmen zu treffen. Unter anderem musste Verpflegung für über 120 Kräfte organisiert werden.

Nachdem es Dunkel wurde, wurde der Einsatz unterbrochen und alle Kräfte konnten sich nochmal am Feuerwehrhaus stärken. Mit der Zusage, morgen wieder zu kommen und zusätzlich eine Drehleiter mitzubringen, machte sich das Freisinger Hilfskontingent auf den Weg nach Hause.

Noch am Abend wurde von den Surberger Führungskräften die offenen Aufträge für den nächsten Tag gesichtet und die Zugführer für die nächsten Einsatzstellen festgelegt. Wiederum eine SMS mit der Bitte um Mithilfe bescherte uns am nächsten Tag eine Mannschaftsstärke von 30 Frauen und Männer. Gut vorbereitet konnte man so auf den nächsten Tag blicken.

Sonntag, 13.01.2019

Die Nacht war kurz! Um 2:03 Uhr rissen uns die Meldeempfänger schon wieder aus dem Schlaf, der uns eigentlich Kraft für den nächsten Tag geben sollte. Auf der B304 - Auer Kurve - soll ein Baum die Straße blockieren. Lange Gesichter bei den fünf Einsatzkräften die sich am Feuerwehrhaus einfanden. „Kann den Baum ned wer anders wegräumen!“ Der Einsatz war berechtigt! Der Gipfel eines entwurzelten Baumes, der in die Straße ragte hätte auch ein ambitionierter Autofahrer nicht entfernen können.

Um 7:00 Uhr wieder Treffpunkt am Feuerwehhaus. Kaffee fürs Frühstück machen, Einsatzzentrale in Betrieb nehmen, Absturzsicherungssätze vom Heizkörper nehmen und verstauen.

Die ersten Einsatzkräfte fanden sich langsam am Feuerwehrhaus ein. Heute früh musste gleich das Dach des Feuerwehrhauses vom Schnee befreit werden. Sicher ist sicher!

Gegen 9:00 Uhr trafen die Kräfte aus Freising ein. Wie auch schon am Tag davor wurden in der morgendlichen Lagebesprechung die ersten Aufträge besprochen. Alles Weitere war schon fast Routine. Eine enorme Hilfe war die Unterstützung der Drehleiter aus Hallbergmoos. Die Sicherung auf den Dächern konnte dadurch um einiges schneller aufgebaut werden.

Das Mittagessen organisierten wir, aufgrund der gewonnenen Erfahrungen vom Tag davor, selbst. Und es funktionierte hervorragend und schmeckte ausgezeichnet. Dank zahlreicher Helferinnen aus den Familien der Feuerwehrkräfte war auch die Essensausgabe bestens geregelt.

Am Nachmittag begann es stark zu regnen. Das schlechte Wetter trug nicht zur Steigerung der Motivation bei den Einsatzkräften bei. Aber es wurde weitergemacht. Als es schon langsam zu Dämmern begann, wurde es plötzlich hektisch. Der Dachstuhl des ehemaligen Wirtshauses in Surberg war stark einsturzgefährdet. Alle freien Kräfte, inklusive der Drehleiter, wurden sofort nach Surberg beordert, um sofort mit dem Abschaufeln zu beginnen. Der Kontingentführer Freising gab den Befehl: „Wir schaufeln solange bis das Dach sicher ist.“ Dies dauerte bis 20:30 Uhr. Die Feuerwehr Wonneberg unterstütze beim Ausleuchten der Einsatzstelle. Weil die Wonneberger Feuerwehrler sahen, wie nass und abgekämpft die Freisinger Kräfte schon waren, boten sie sich als Ablöse im Drehleiterkorb an. Dies wurde gerne angenommen.

Im Anschluss stärkten sich alle noch mit einer Brotzeit bei uns im Feuerwehrhaus.

Montag, 14.0.2019

Bereits auf der Anfahrt bekamen wir vom Kontingentführer Freising die Information, dass heute noch zusätzlich eine zweite Drehleiter, die der Werksfeuerwehr Weihenstephan, auf dem Weg ist. Wieder eine enorme Hilfe bei der Abarbeitung der anstehenden Einsätze. Alles andere war an diesem Tag schon Routine. Lagebesprechungen, Schnee schaufeln, Verpflegung organisieren.

Fast! Während der Mittagspause kommt plötzlich die Meldung aus der Zentrale:

VU - B304 -Höhe Au -, PKW überschlagen! Sofort rückten wir zur Einsatzstelle aus. Mit den Fahrzeugen Surberg 11/1 und Dietersheim 40/1. Glücklicherweise war der Fahrer unverletzt. So war der Einsatz schnell wieder abgearbeitet.

Die Drehleiter der Werksfeuerwehr Weihenstephan mit Besatzung blieb bis zum nächsten Tag in Surberg, um sich die Anfahrt am nächsten Morgen zu ersparen. Die Drehleiter passte sogar bei uns in die Fahrzeughalle. Wenn auch nur knapp! Und es gab auch ein Wiedersehen zu feiern. Unsere Feuerwehrfrau Jeanette war während ihres Studiums in der Werksfeuerwehr Weihenstephan aktiv. Sie traf so ihre früheren Kameraden wieder. Da gab es einiges zu Erzählen.

Dienstag, 15.01.2019

Der letzte Tag an dem wir das Hilfskontingent Freising zur Unterstützung hatten. Unsere unermüdlichen Schaufler mussten sich schon beim Frühstück mit RedBull dopen, um wieder aufs Dach steigen zu können. Die Weihenstephaner brauchten einen starken Kaffee, da die Nacht kurz war. An diesem Tag konnten 15 Dächer von den Schneemassen befreit werden. Mittlerweile waren wir routiniert. Jeder wusste wer für welchen Handgriff zuständig ist.

Um 17:00 Uhr waren alle Einsätze erledigt. Die Abschlussbesprechung konnte starten. Dazu war der Kreisbrandrat von Freising aus dem Traunsteiner Bereitstellungsraum nach Surberg gekommen.

Von Donnerstag bis Dienstag konnten knapp 50 Dächer abgeschaufelt werden.

Dazu waren 463 Einsatzkräfte notwendig, die über 7.000 Einsatzstunden leisteten.

Bei einer anschließenden gemeinsamen Brotzeit konnten wir das gemeinsam erlebte nochmal aufarbeiten und wirklich nette Gespräche mit den Freisinger Feuerwehrlern führen.

Für die großartige Unterstützung und die wirklich besondere Kameradschaft möchten wir uns von ganzem Herzen bedanken!

Bei den Feuerwehren aus dem Landkreis Freising:

FF Dietersheim

FF Eching

FF Enzelhausen

FF Fahrenzhausen

FF Giggenhausen

FF Günzenhausen

FF Hallbergmoos

FF Hohenbercha

FF Kirchdorf

FF Kranzberg

FF Lauterbach

FF Marzling

FF Massenhausen

FF Mintraching

FF Neufahrn

FF Oberhaindlfing

FF Oberhummel

WF Weihenstephan

FF Weng

FF Wippenhausen

Aus dem Landkreis Traunstein:

FF Wonneberg

 

Weiter möchten wir uns bei den Gemeindebürgern für die zahlreichen Kuchenspenden und jegliche weitere Unterstützung bedanken!

Bei den Feuerwehrkräften Surberg für die zahlreiche und unermüdliche Mithilfe!

Bei den Familienmitgliedern der Feuerwehrler für die Mithilfe bei der Verpflegung!

Beim Hofwirt Oberteisendorf und beim Kramerladen in Lauter, bei dem wir auch nach Ladenschluss noch einkaufen durften!

 

DANKE!

Die Kommandanten

Stefan Burghartswieser

Bernhard Wimmer


Einsatzart Technische Hilfeleistung
Alarmierung FME
Einsatzstart 10. Januar 2019 13:30
Einsatzdauer 5 Tage
Fahrzeuge MZF
HLF 20/16
TLF 16/25